Pressespiegel
Kreuzritter findet den Weg nach Arnsdorf
Link zur Filminfo von Thomas Wendrich
Großer Preis für kleines Kino
Im November 2005 erhält das Landkino-Team in Berlin eine ganz besondere Auszeichnung.
Nicht nur Filme flimmern über die Leinwand. Auch Theateraufführungen und andere kulturelle Beiträge bereichern das Repertoire des Landkinos. Foto: Constanze Prause
„Wir würdigen Initiativen, die über Jahre
hinweg gewachsen sind“, sagt der Vorstand der Defa-Stiftung
mit Sitz in Berlin, Helmut Morsbach. Einmal jährlich vergibt die
Stiftung unter anderem drei Programmpreise. Am 24. November nehmen in
der Hauptstadt diesen mit jeweils 5000 Euro dotierten Preis Initiativen
aus Halle und den USA entgegen. In den Kreis der Preisträger gehört
als Dritter im Bunde auch das Arnsdorfer Landkino. „Die Einrichtung gibt
es schon seit sieben Jahren und verfolgt keinen kommerziellen Charakter“,
schätzt Helmut Morsbach ein. Das Kino in der ehemaligen Pfarrhofscheune
sei „sehr bemerkenswert.“ Mit geringen finanziellen Mitteln werde hier
ein umfangreiches interessantes Programm geboten. Gleichzeitig ist in
den Augen der Stiftung die Verbindung zwischen Kirche, Kino und Ortsgeschichte
von Bedeutung.
Bereits Ende September war Morsbach vor Ort zu Gast um künftige gemeinsame
Projekte mit den Arnsdorfern anzukurbeln. Gezeigt wurde damals – verbunden
mit einer anschließenden Diskussionsrunde – der Defa-Film „Die Architekten“.
„An diesem Abend erfuhren wir erstmals und für uns völlig überraschend
von der Auszeichnung“, erinnert sich Andrea Gloger. Sie ist die Vorsitzende
des Vereins für Kirchenbau- und Dorfgeschichte, unter dessen Regie
dem Landkino Leben eingehaucht wird. Mit dem Preis hätten die Kinomacher
überhaupt nicht gerechnet. „Umso mehr freuen wir uns natürlich.
Denn das ist auch eine Bestätigung für unsere Arbeit“, sagt
Andrea Gloger. Die Berliner brachten ein Kamerateam mit, welches den Moment
der Ankündigung des Preises und die Reaktion des Landkino-Teams in
Bildern festhielt. „Vielleicht wird es dazu mal einen kleinen Film geben“,
überlegt Helmut Morsbach.
Wofür die Gelder eingesetzt werden, steht derzeit noch nicht fest.
Einige Baumaßnahmen sind noch nicht abgeschlossen. Weitere Sanierungsarbeiten
stünden an. „Verein und Kirchgemeinde überlegen nun gemeinsam,
wie das Preisgeld am besten zweckgebunden eingesetzt wird“, so Andrea
Gloger.
Info: Die Stiftung erhält die Filme der Defa und somit das gesamte Filmerebe der ehemaligen DDR. Sie übernimmt deren rechtmäßige Verwaltung. Finanzielle Mittel aus Verwertung und Ausstrahlung fließen in die klassische Förderstiftung. Diese fördert die deutsche Filmkunst und -kultur durch die Vergabe von Stipendien, Projektmitteln und Preisen. (cp)
Constanze Prause
Sächsische Zeitung vom 14. September 2000:
Weinverkostung im Landkino
Am Sonnabend laden die evangelische Kirchengemeinde Arnsdorf und das Weingut Burghof Oswald zur Weinverkostung auf den Pfarrhof ein. "Berühmt" geworden ist dieser mittlerweile durch sein Landkino. Mit einer Weinverkostung zum Ende des Sommers soll die Vielfalt der Möglichkeiten des Arnsdorfer Pfarrhofes erneut gezeigt werden. Guntersblum ist eine mehr als 1100 Jahre alte Geschichte vom Siedlungsbeginn bis zur blühenden Weinanbaugemeinde. Nach der Legende soll Guntersblum seinen Namen vom Burgunderkönig Gunther erhalten haben, der es "Gunthers Blume" wegen der Schönheit und Fruchtbarkeit dieser Gegend nannte. Die verschiedensten Weine aus dem Weinkeller der Familie Oswald werden nicht nur zu verkosten sein, sondern werden von den Produzenten selbst ausgeschenkt. Auch wie der Wein "gemacht" wird, wo er herkommt und natürlich warum er vielen Leuten schmeckt- all das wird am Sonnabendanben, ab 19.30 Uhr, zu erfahren sein.
Auch der Film an diesem Wochenende kann sich sehen lassen. "Das Haus der Märchen" (La casa delle favole, Schweiz 1999, 80 Minuten) steht auf dem Programm. Karl-Heinz Heilig, Autor, Regisseur und Produzent des recht stillen Filmkunstwerkes auf Oldenburg, ist an allen drei Vorführungen in Arnsdorf dabei. In Gesprächen will er die Wirkung des Streifens, dieses "Bonbons für die Seele", ergründen. Für seinen dokumentarischen Film war Heilig über ein Jahr bei Walter Bartolome zu Gast, um ein Porträt dieses ungewöhnlichen Mannes zu schaffen. Bartolome hat an einem nackten Felsen einen paradiesischen Garten angelegt und ein märchenhaftes Haus gebaut. Die internationale Filmkritik würdigte Heiligs Stück überschwenglich und pries es als "leise, anregend und heiter". (SZ)
Sächsische Zeitung vom 09. Dezember 2000:
Sonnenallee im Landkino
"Die Sonnenallee" heißt der Streifen, der am zweiten Advent, 18 Uhr über die Landkino- Leinwand in Arnsdorf flimmert. Dort heißt es bereits zum zweiten Mal "Klapper-Kino" und alle Insider wissen, dass es an diesem Abend bei winterlichen Temperaturen in der unbeheizbaren alten Arnsdorfer Pfarrhofscheune heiß und fröhlich am Lagerfeuer zugeht.
Die Kirche vom 10. Dezember 2000:
Landkino Arnsdorf
"Die Sonnenallee"
ARNSDORF- "Die Sonnenallee" heißt der Streifen, der am 2. Advent um 18 Uhr über die Landkino-Leinwand im Pfarrhof Arnsdorf flimmert. Dort heißt es bereits zum zweiten Mal "Klapper-Kino" und alle Insider wissen, dass es an diesem Abend in der unbeheizten alten Arnsdorfer Pfarrhofscheune heiß und fröhlich zugeht. Da knistert das Lagerfeuer im Hof, da drängeln die Fans am Eintritt und am blauen Sofa, wo wärmende Fleece-Decken liegen, Kinderpunsch, Glühwein, Grog oder Tee gereicht werden. Keine Geschichtsaufarbeitung, sondern Ironie und doch Bekenntnis zu dem, was die eigene Biografie auszeichnet- und der Mut, darauf stolz zu sein, vielleicht sogar dankbar- und ein (Be)Lächeln oder lautes Lachen nicht zu unterdrücken - dazu fordert dieser kurzweilige deutsche Film des Jahres 1999 heraus.
Sächsische Zeitung vom 14. Dezember 2000
Punsch, Musik und Sonnenallee
Landkino lockt rund 150 Fans aller Altersgruppen hinterm Ofen hervor
Die kühlen Temperaturen in dieser Jahreszeit haben niemanden abgeschreckt. Die Deutschlandproduktion des Jahres 1999 "Sonnenallee" hat gut 150 Kino- Fans angelockt, und das adventlich geschmückte Landkino auf dem Arnsdorfer Pfarrhof war bereits vor 18 Uhr bis auf den letzten Platz gefüllt. Bereits eine Stunden vor Beginn kamen die ersten Neugierigen und versuchten sich die besten Plätze im Landkino zu reservieren, was aber nur zum Teil gelang. Denn den Versuchungen von duftender Soljanka, Bratwürsten, Kinderpunsch und Glühwein hat an diesem Abend keiner lange widerstanden.
Einer, der davon gehört hatte, dass seine Eltern sich früher als Beatles oder Stones- Fans bekannten und sich noch heute mit allerhand Wehmut an diese Tage ihrer Jugend erinnern - war Christian Schmidt (14) aus Särichen. Da er nun gerade in seiner Musikschule das "Yesterday" der Beatles übt, hatte erkurzerhand sein Akkordeon ins Landkino mitgebracht, um die Kino- Besucher mitsummen und in Erinnerungen oder Träumen schwelgen zu lassen. Dass diese Spontanität beeindruckt, das war gleich darauf am ebenso spontanen wie herzlichen Applaus des Publikums zu hören und wird- so hoffen und wünschen die Veranstalter- auch anderen Mut geben, sich selbst zu beteiligen.
Denn das Landkino im Arnsdorfer Pfarrhof bietet eben nicht nur die Möglichkeit zum Kino, sondern auch Platz zum Tanz, für Familien- oder Vereinsfeiern, für Gemeindeveranstaltungen, Gottesdienste und im nächsten Jahr für Lese- Abende auf der Tenne sowie eine Ausstellung zur 750- jährien Geschichte des Ortes.
Warum eine Kirchengemeinde überhaupt so etwas veranstaltet? Die Kirchenräte erklärten den Zuschauern - vom 10- bis zum 80- Jährigen-, dass Advent ja "Ankunft" heißt. Hier scheint bei den Menschen etwas anzukommen: Nämlich dass sich Kirchengemeinden öffnen auch für die, die ansonsten Bedenken haben, "kirchliche Gefilde" zu betreten, wenn sie nicht gerade heiraten oder jemanden zu Grabe tragen. "Ein herrlicher Abend...", "Spitze", "Wunderbar", "Hätte ich nie vermutet, dass ihr auch sowas macht...", "Klasse Idee, gerade im Advent", "Wann is'n das Nächste?" - so oder ähnlich kommentierten nach den letzten Bildern die Besucher auf dem Weg nach Hause das Erlebte. (von Andreas Fünfstück)
